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Zielart

Euphydryas Aurinia

Die Biologie des Goldenen Scheckenfalters​

Die Biologie des
Goldenen Scheckenfalters​

Zielart Goldener Scheckenfalter

Damals häufig – heute selten

Der Goldene Scheckenfalter ist ein Spezialist für magere Standorte, der sowohl feuchte als auch trockene Lebensräume durch die entsprechende Wahl seiner Nahrungspflanzen besiedeln kann. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts kam die Art nicht nur in allen 16 Bundesländern vor, sondern zählte wahrscheinlich auch zu den eher häufigeren Arten unserer historischen Kulturlandschaft. Durch die Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens endete jedoch der Nährstoffmangel landwirtschaftlich genutzter Flächen, während sich durch die maschinelle Revolution der Landwirtschaft gleichzeitig die Nutzungsintensität vervielfachte. Neben weiteren Gründen, wie dem Verlust unserer Auen, der flächendeckenden Drainage der Landschaft und der Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen, begann so der rapide Rückgang des Goldenen Scheckenfalters sowie vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten. Mittlerweile ist der Goldene Scheckenfalter nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt und steht im Anhang II der FFH-RL. So ist die Art aus der Gruppe der Invertebraten eine der wichtigsten Zielarten des Naturschutzes in Europa geworden. Aufgrund der Schutzbedürftigkeit des Goldenen Scheckenfalters werden aktuell viele Fördermaßnahmen für seinen Erhalt umgesetzt. Dank des hohen Anspruchs des Falters an seinen Lebensraum wird von der Optimierung seiner Habitate indirekt das Gros der habitattypischen Arten mitgefördert.

Oberseite
Unterseite

Aussehen

Als typischer Vertreter der Scheckenfalter (Melitaeini) hat der Goldene Scheckenfalter eine für einen Tagfalter mittelgroße Flügelspannweite von ca. 35 mm und besitzt ein charakteristisches orange-braun-gold geschecktes Muster. Trotz der von Nahem einzigartigen, kontrastreichen Färbung kann der Goldene Scheckenfalter im Flug mit anderen häufig syntop vorkommenden Tagfalterarten, wie dem Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) oder dem Schlüsselblumenwürfelfalter (Hamearis lucina), verwechselt werden. Um den Goldenen Scheckenfalter in Deutschland von nah verwandten Arten eindeutig zu unterscheiden, dient seine orange gefärbte Submarginalbinde, welche auf der Ober- und Unterseite der Hinterflügel mittig eine Reihe schwarzer Punkte besitzt. Wie bei vielen anderen Tagfalterarten sind auch beim Goldenen Scheckenfalter die Weibchen oft größer als die Männchen.

Der Lebenszyklus

Die Entwicklungsphasen des Goldenen Scheckenfalters

Schmetterlings-Lebenszyklus
Ei
Raupe
Puppe
Schmetterling

Für die Eiablage während der Flugzeit von Ende Mai bis Mitte Juli wählen Weibchen des Goldenen Scheckenfalters sonnenexponierte Wirtspflanzen in lückiger Vegetation. An der Blattunterseite von großen Exemplaren werden 200-300 Eier als Eispiegel abgelegt. Die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf der Raupen dauert ca. 10 Tage. Zum Zeitpunkt der Eiablage sind die Eier noch gelb gefärbt, über die Zeit verändern sie ihre Farbe jedoch über orange zu rot bis schwarz, kurz bevor die Raupen schlüpfen.

Eigelege
Eigelege

Larvenstadium 1-3

Nach dem Schlupf zwischen Juni und Juli spinnen die Raupen ein gemeinsames Fraßgespinst, welches sie konstant erweitern. Das Gespinst kann ein Blatt bis hin zur ganzen Wirtspflanze umfassen. Das Gespinst dient unter anderem dem Zusammenhalt der Raupen und der Fortbewegung an der Wirtspflanze. Vor allem dient das Gespinst jedoch dem Schutz gegenüber Parasitoiden, von denen zwei Arten der Brackwespen (Braconidae) mehr oder weniger auf den Goldenen Scheckenfalter spezialisiert sind. Andere Prädatoren wie Spinnen und Wanzen können das Gespinst jedoch leicht überwinden. Besonders während der sensiblen Häutungsphasen versammeln sich die Raupen synchron im Kern des Gespinstes. Sollten alle verwertbaren Teile einer Wirtspflanze verzehrt sein, wird die Wirtspflanze gemeinsam gewechselt und an der nächsten Wirtspflanze ein neues Gespinst angelegt. Auf Magerrasen mit kleinen Wirtspflanzen können vor der Überwinterung, trotz der geringen Mobilität der Raupen, bereits mehr als 5 Wirtspflanzenwechsel stattfinden.

Larvenstadium 4

Am Ende des 3. Larvenstadiums, meist in der zweiten Augusthälfte, häuten sich die Raupen wieder gemeinsam. Dieses Mal legen Sie jedoch zuvor ein besonders dichtes Gespinst an, das Überwinterungsgespinst, auch „Hibernakulum“ genannt. Die nun schwarzen Raupen verbringen das gesamte Winterhalbjahr im Hibernakulum. An warmen Wintertagen kann es vorkommen, dass mehrere Raupen das Hibernakulum zum Sonnen verlassen, jedoch ohne dabei Nahrung aufzunehmen. Zwischen Februar und April, je nach Witterung, beginnen die Raupen wieder ein gemeinsames Gespinst anzulegen und in diesem zu fressen. Nach der Überwinterung sind die Gespinste jedoch deutlich lockerer als zuvor.

 

Larvenstadium 5-6

Nach der Häutung zum 5. Larvenstadium, welche häufig noch gemeinsam in kleineren Gruppen stattfindet, leben die Raupen bis zur Verpuppung solitär. Mit zunehmender Körpergröße nimmt die Mobilität der Raupen stetig zu, so dass auch entferntere Wirtspflanzen erreicht werden können. Auch wenn genügend Wirtspflanzen an ihrem Standort vorhanden sind, entfernen sich die Raupen während ihrer Entwicklung häufig immer weiter vom Ort ihrer Überwinterung. Dieses Verhalten verringert die Nahrungskonkurrenz mit Artgenossen und die Chance, von Parasitoiden entdeckt zu werden.

Larvenstadium 1-3
Larvenstadium 1-3
Larvenstadium 4
Larvenstadium 5-6

Im Laufe des Mais, am Ende des 6. Larvenstadiums und mit einer Länge von 2,5 bis 3 cm suchen die ausgewachsenen Raupen einen Ort für ihre Verpuppung. Unter Blättern oder Streu wird nun eine Stürzpuppe angelegt. Dieses Stadium kann je nach Witterung mehrere Wochen andauern.

Puppe

An warmen Tagen im Mai schlüpfen die Falter. In der Regel schlüpfen die Männchen vor den Weibchen. Das erhöht die Chance auf ein unbefruchtetes Weibchen zu treffen und ermöglicht es den Männchen bereits Reviere, wie kleine Büsche oder sonnenexponierte Wiesenabschnitte, zu besetzen. Die Männchen zeigen Territorialverhalten und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen und vorbeifliegende Insekten. Die Paarung findet meist innerhalb der Vegetation statt. Der Goldene Scheckenfalter ist in der Regel sehr ortstreu und zeigt nur ein geringes Ausbreitungsverhalten. Einzelne Individuen können jedoch auch mehrere Kilometer zurücklegen. Die genauen Gründe hinter diesem Verhalten sind noch nicht bekannt. Mögliche Erklärungen sind zum Beispiel Dichtestress oder bestimmte Wetterlagen.

Paarung
Eiablage

Lebensraum

Geografische Verbreitung und bevorzugte Habitate

Der Goldene Scheckenfalter kommt in Mitteleuropa in zwei Ökotypen vor. Zum einen besiedelt die Art ein breites Spektrum von oligo- bis mesotrophen Feuchtgrünländern und Niedermooren, zum anderen werden aber auch trockene Habitate wie Kalkmagerrasen genutzt. Innerhalb von Metapopulationen können sich dabei beide Habitattypen überschneiden. Essentiell für das Vorkommen des Falters ist eine ausreichende Menge an Wirtspflanzen.

Da der Goldene Scheckenfalter ein warmes Mikroklima für seine Larvalentwicklung sowie die Verstoffwechslung der sekundären Inhaltsstoffe seiner Wirtspflanzen benötigt, ist er auf eine offene Vegetation angewiesen. Somit ist die Art stark von der Nutzung seines Lebensraumes abhängig. Extensive Beweidung und die einschürige Mahd von nährstoffarmen Wiesen haben sich dabei trotz stetiger Raupenverluste als geeignetes Nutzungsregime bewährt. Doch auch in brach liegenden Magerrasen können sich Populationen über viele Jahre halten, solange Wildtiere für ein ausreichendes Störungsregime sorgen. Für das langfristige Überleben der Populationen auf genutzten Standorten ist jedoch eine ausreichende Flächengröße und -vernetzung essentiell. Eine Gesamtflächengröße von ca. 100 ha, wie sie in einer Studie von Bulman et al. (2007) als Mindestgröße für vitale Metapopulationen berechnet wurde, ist in unserer heutigen Kulturlandschaft allerdings nur noch in wenigen Fällen vorhanden. Eine so große Flächengröße wird benötigt, um die zum Teil stark schwankenden Populationsgrößen abzupuffern. Durch hohe Parasitoidendichten und ungünstige Witterungsverhältnisse kann es zu lokalen Aussterbeereignissen kommen, welche dank der Metapopulationsstruktur in folgenden Jahren wieder ausgeglichen werden können, wenn die Habitate ausreichend miteinander vernetzt sind.

Succisa pratensis
Scabiosa columbaria
Scabiosa lucida
Knautia arvensis
Dipsacus fullonum
Gentiana asclepiadea
Gentiana accaulis/clusii/verna

Wirtspflanzen

Diversität und Priorität

In Mitteleuropa ist die dominierende Wirtspflanze in feuchten Habitaten der Teufelsabbiss (Succisa pratensis). Die Taubenskabiose (Scabiosa columbaria) wird dagegen in trockenen Habitaten als Wirtspflanze präferiert. Sekundär werden in beiden Habitattypen auch die Karde (Dipsacus fullonum) und das Wiesen-Witwenkraut (Knautia arvensis) zur Eiablage genutzt. Im bayerischen Alpenvorland, in dem auch unser Untersuchungsgebiet liegt, sind dagegen auch Funde an weiteren Kardengewächsen (Dipsacaceae) und Enzianarten (Gentianaceae) bekannt. Ab einer Höhenstufe von ca. 1.200 m löst die Glänzende Skabiose (Scabiosa lucida) die Taubenskabiose und den Teufelsabbiss ab. Doch auch die stängellosen Enziane, wie Kalk-Glocken-Enzian (Gentiana clusii), Kochscher Enzian (Gentiana accaulis) und Frühlings-Enzian (Gentiana verna) können besonders im Frühling im rauen Alpenklima eine wichtige Rolle als Wirtspflanze spielen.

Gefährdung & Schutz

Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat der Bestand des Goldenen Scheckenfalters in ganz Europa dramatisch abgenommen. Die Gefährdungsursachen beginnen mit der direkten Zerstörung der Habitate des Falters, zum Beispiel durch die großflächige Trockenlegung der Landschaft in Mitteleuropa, oft in Begleitung von Grünlandumbruch. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts spielen zudem die Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch die Aufgabe traditioneller Landnutzungsformen eine große Rolle für den Rückgang des Falters. Doch auch ein unangepasstes Management der Habitate, z.B. durch zu schwere Maschienen, kann den Lebenraum und somit die Populationen des Goldenen Scheckenfalters negativ beeinträchtigen (siehe Bild). Mittlerweile gilt der Falter nach der Roten Liste in Deutschland als stark gefährdet und wird in der FFH-Richtline unter Anhang II geführt, wodurch die Art sowie sein Lebensraum europaweit geschützt sind. Durch seinen Schutzstatus und seine Rolle als Schirmart wird der Goldene Scheckenfalter häufig als Zielart in Naturschutzprojekten genutzt. Alleine in Deutschland fanden in den letzten zwei Jahrzehnten diverse groß angelegte Projekte zum Schutz des Falters sowie seines Lebensraumes statt. Dennoch befinden sich die meisten Populationen des Goldenen Scheckenfalters noch auf einem kritisch niedrigen Niveau.

Gemeinsam für den Goldenen Scheckenfalter

Hier werden bald stellvertretend einige Projekte vorgestellt, bei denen der Goldene Scheckenfalter im Fokus steht.